Insektenfreundliche Wiesenpflege

für artenreiche Lebensräume


Der Verlust geeigneter Lebensräume ist einer der Hauptgründe für den aktuell zu beobachtenden Insektenrückgang. Grünländer gehören zu den Lebensräumen, die besonders davon betroffen sind. Dabei gehören sie zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas.

Auf Wiesen und Weiden kommt mehr als die Hälfte aller Pflanzenarten Deutschlands vor und damit wichtige Nahrungspflanzen und Rückzugsorte für Insekten. Sie sind in den vergangenen Jahrzehnten durch intensive Landnutzung und veränderte Bewirtschaftung jedoch nicht nur immer seltener, sondern auch artenärmer geworden. Moderne Mahdtechniken ermöglichen es ganze Landschaftsabschnitte an einem Tag zu mähen, wodurch die Lebensgrundlage für die meisten Offenlandarten auf einen Schlag verschwindet und auch ihre Bewohner werden in ihrer Unversehrtheit bedroht. Dennoch muss eine Wiese gemäht werden, um sie als solche zu erhalten. Denn ohne diesen Eingriff würde durch die natürliche Sukzession die Wiese mit Büschen und Bäumen zuwachsen.

Deshalb betreffen die wichtigsten Handlungsempfehlungen, um Insekten auf Offenflächen zu fördern, die Mahd. Dass diese Umstellung sich lohnt, belegen Studien, die zeigen, dass wir stellenweise in Städten mehr Insekten finden als auf dem Land. Denn viele der Insektenarten, die wir auf städtischen, extensiv gepflegten Wiesen antreffen, waren ursprünglich Bewohner von Mager- und Trockenrasen, Mähwiesen oder Feuchtwiesen.

Die Mahd

WIE?

Die Mahdhäufigkeit sollte an die jeweiligen Bodenbeschaffenheiten angepasst sein und immer nur partiell, also abschnittsweise und dem wechselnden Auslassen von Teilbereichen, erfolgen.

Während auf trockenen und nährstoffarmen Böden häufig bereits einmaliges Mähen ausreicht um artenreiche Wiesengesellschaften zu fördern, so sind auf normalen Böden zwei Schnitte zu empfehlen. Gerade zu Beginn der Umstellung und auf besonders nährstoffreichen Böden können stellenweise auch drei Mahdtermine im Jahr angebracht sein, um dominierende Gräser zurück zu drängen. Bei jeder Mahd muss zudem das Schnittgut komplett von der Fläche entfernt werden, damit keine Streuauflage entsteht, welche die Entwicklung krautiger Pflanzen unterdrücken würde.

WOMIT?

Nicht nur der Wegfall der Lebensgrundlagen durch die Mahd sind problematisch, sondern auch die Verletzungs- und Tötungsgefahr durch die verwendeten Geräte. Abhängig von der Technik können je Mahd 10–50 % aller Insekten einer Fläche getötet werden.

Unter Verwendung von schneidenden Werkzeugen wie Balkenmähern und Handsensen wird die Vegetation in einer horizontalen Ebene geschnitten, sodass sowohl unterhalb als auch oberhalb der Schnittebene Insekten überleben können. Gängige Rasenmäher verwenden hingegen Rotationswerkzeuge. Diese schneiden, schlagen und zerkleinern die Pflanzen mehrfach und dabei auch die sich dort befindlichen Insekten, so dass mit dieser Methode die meisten Insekten zu Schaden kommen. Ähnliches gilt auch für Mulchgerät, die das Schnittgut zudem sehr stark zerkleinern damit es auf der Fläche verbleiben kann. Das Mulchgut bildet darüber hinaus eine Lichtund Luftdichte Schicht, welche die Schimmelbildung fördert. Sie sind für eine insektenfreundliche Pflege nicht zu empfehlen.

WANN?

Den idealen Zeitpunkt für die Mahd zu finden ist aus Naturschutzsicht nicht einfach und hängt von den Entwicklungszielen der jeweiligen Wiese ab. Während eine Mahd ab Juli von Vorteil für Vögel, Säugetiere, Amphibien und Reptilien ist, birgt dieser Zeitpunkt für die Pflanzenvielfalt jedoch oft Nachteile. Für die Förderung blütenreicher Standorte sollte die erste Mahd entsprechend auf dem Hochstand der Gräser Mitte Juni erfolgen und die zweite gegen August/September. An sehr mageren Standorten wie Magerrasen erfolgt die jährlich Mahd zwischen August und September. Viele Insekten und Spinnenarten, deren Hauptaktivität in den Sommer fällt und für die eine Sommermahd entsprechend von Nachteil ist, finden in den durch die partielle Mahd entstehenden Altgrastreifen geeignete Rückzugsorte. Dies ist vor allem für Arten von Bedeutung, die ihre gesamte Entwicklung auf Wiesen durchlaufen, wie bspw. Heuschrecken.